Regina Fritsche zeigt uns ihren Arbeitsplatz

„Die bunten Nudeln sind die
schönsten”

27. April 2022

Regina Fritsche arbeitet seit 36 Jahren in den Stuttgarter Werkstätten der Lebenshilfe. Ihr Arbeitsplatz ist ihr sehr ans Herz gewachsen, denn sie isst für ihr Leben gern Nudeln. In der Alimentari-Gruppe der Werkstatt in Stuttgart-Vaihingen kann sie diese selbst herstellen. Sie erzählt uns, wie sie das macht.

Sanft rieseln Nudeln in die Horde. So heißen die Körbe, in die die frischen Nudeln aus der Maschine fallen. Regina Fritsche beobachtet sie genau und tauscht im richtigen Moment mit Hilfe einer Kollegin die volle Horde gegen eine leere aus. Bis die Nudeln jedoch aus der Maschine fallen, ist einiges an Arbeit nötig.

Regina Fritsche beginnt die Arbeit an der Nudelmaschine mit einer genauen Inspektion: Ist sie sauber? Oder hat sich vielleicht der feine Grießstaub über Nacht daran abgesetzt? Obwohl die Maschine am Tag zuvor gründlich gereinigt wurde, wischt sie nochmals die einzelnen Teile mit Desinfektionsmittel ab.

 

Erst das Goldene, dann das Silberne

„Dann baue ich ein goldenes Teil ein und dann ein silbernes”, berichtet Regina Fritsche weiter. „Das sind die Schnecke und der Mischarm”, erklärt ihre Gruppenleiterin. Sie selbst befestigt dann die Matrize, die der Nudel die gewünschte Form gibt. Es gibt Formen für Spirelli, Wellenband, Spaghetti und Rigatoni. Die Maschine ist damit bereit, “nur” der Teig fehlt noch.

Diesen mischt Regina Fritsche aus Dinkel-Grieß und je nach Sorte mit weiteren Zutaten. Zum Beispiel mit Kurkuma, damit die Nudeln eine schöne gelbe Farbe bekommen. Für jedes Rezept gibt es eine große Karte mit Symbolen. Die trockenen Zutaten kommen zuerst in die Maschine, dann löst Frau Fritsche Salz in Wasser auf und gibt es dazu. Auf Knopfdruck beginnt die Maschine den Teig rasch durchzumischen.

Alimentari

Regina Fritsche wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Seit 36 Jahren arbeitet sie in der Werkstatt in Stuttgart-Vaihingen. Sie hat schon in mehreren Gruppen gearbeitet, unter anderem in der Keramikwerkstatt, der Schreinerei und als Betreuungshelferin im Förder- und Betreuungsbereich.
Regina Fritsche wohnt im Eugen-Fitz-Haus in Weilimdorf. In ihrer Freizeit hört sie gerne Musik, besonders gerne Partymusik. Außerdem mag sie Zeichentrickfilme.

Gut Ding will Weile haben

„Dann ist Ruhezeit” erklärt sie und stellt eine Eieruhr. Wenn diese abgelaufen ist, wird das Messer eingesetzt und „dann drücke ich den weißen Knopf!” Jetzt presst die Maschine den Teig durch die Matrize und das Messer schneidet die Nudeln ab. Und schon fallen die ersten Nudeln in die Horde.

Je nach Sorte werden sieben bis dreizehn Horden in einem Durchgang gefüllt, fünf bis sechs mal am Tag. Die fertigen Nudeln werden erst am nächsten Tag verpackt, sie müssen noch trocknen. Dazu kommen sie in einen Trockenschrank. „Die schlafen jetzt” meint Regina Fritsche und legt den Kopf auf die Hände und schließt die Augen.

 

Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit

Sie selbst kann allerdings nicht schlafen, die Nudelmaschine braucht Aufmerksamkeit: Messer, Matrize, Mischarm und Schnecke werden wieder ausgebaut und alles gründlichst gereinigt. Sauberkeit und Hygiene sind oberstes Gebot in der Alimentari-Gruppe. Ständig wird geputzt, gewienert und desinfiziert.

Danach werden Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen, der Grieß wird zum Beispiel schon abgewogen.

Regine Fritsche ist im Alimentari ein kleines Multitalent: Außer der Herstellung der Nudeln hilft sie bei der Produktion von Dörrobst: Äpfel schälen, abwiegen und verpacken. Auch das Backen der Kräuter-Crepes, aus denen die Flädle gemacht werden, beherrscht sie perfekt. Doch ihre Lieblingsaufgabe sind die Nudeln. „Am schönsten sind die bunten Nudeln und am liebsten esse ich die mit Knoblauch.”