Ein Jahr Corona. Ein Rückblick.

08. März 2021

 

Vor mehr als einem Jahr tauchte Corona in Deutschland auf. Seitdem hat die Pandemie unser aller Leben verändert. Wie geht die Lebenshilfe Stuttgart
mit der Situation um?

Teilhabe-Netzwerk

In der letzten Ausgabe der Brücke haben wir Ihnen von den neuen Angeboten im Teilhabe-Netzwerk berichtet. Kaum waren sie im Herbst angelaufen, mussten sie im zweiten Lockdown auch schon wieder eingestellt werden. Keine schöne Situation, auch für das Personal nicht. Teilweise sind die Mitarbeitenden im Wohnbereich eingesetzt, um die Kolleginnen und Kollegen dort zu entlasten.

Da das Teilhabe-Netzwerk sich zum Teil aus den Beiträgen der Teilnehmenden trägt und zudem in den Umbau der Räume in der Löwentorstraße investiert wurde, sind Finanzierungslücken entstanden. An dieser Stelle möchten wir uns deshalb ganz herzlich bei der Aktion „Hilfe für den Nachbarn“ der beiden Stuttgarter Zeitungen, bei der Ferry-Porsche-Stiftung und bei der Stiftung Lebenshilfe Stuttgart für ihre großzügigen Spenden bedanken. Durch diese wunderbare Unterstützung konnte sich das Teilhabe-Netzwerk weiter am Laufen halten.

Wohnbereich

Die Belastungen für den Wohnbereich sind immer noch nicht weniger geworden. Die Wechselschicht in den Werkstätten bedeutet eine kontinuierliche Betreuung in den Wohngemeinschaften. Immer wieder tauchen einzelne Corona-Fälle auf, die dazu führen, dass eine Gruppe ganz oder teilweise in Quarantäne muss. Trotzdem ist es uns gelungen, eine Ausbreitung zu verhindern. Sorgfältig angewendete Hygiene-Maßnahmen, ausreichende Schutzausrüstung und hochmotivierte Mitarbeitende haben dafür gesorgt.

Seit Anfang März 2021 haben sowohl die Menschen mit Behinderung als auch das Personal unserer Einrichtungen die Option sich impfen zu lassen. Wir hoffen sehr, dass viele diese Möglichkeit in Anspruch nehmen und die Vorsichtsmaßnahmen bald gelockert werden können.

Werkstätten

Seit Juni 2020 arbeiten die Werkstätten im Wechsel – jede Arbeitsgruppe ist in zwei Hälften aufgeteilt, die wöchentlich wechselnd anwesend sind. Auch während des zweiten Lockdowns, was manche irritiert hat. Sind Menschen mit einer Behinderung nicht mehr als andere gefährdet? Geht vom Alltag in den Werkstätten nicht ein zu hohes Risiko aus?

Hier gilt es abzuwägen zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Bedürfnis nach Tagesstruktur und Kontakten. Die regelmäßige Routine des Werkstattbesuchs ist für viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enorm wichtig für ihre emotionale Sicherheit. Andererseits gehören einige zu den Risikogruppen, die eine Ansteckung unbedingt vermeiden sollten. Wichtig zu wissen ist auch, dass die Werkstätten nicht nach eigenem Gutdünken öffnen oder schließen dürfen. Sie sind an die Weisungen des Sozialministeriums in Baden-Württemberg gebunden.

Und dieses hat eine ganz klare Haltung dazu: „Nach der Abwägung sämtlicher zur Diskussion stehenden Punkten, kommt das Ministerium ‚zu dem Ergebnis, dass es sinnvoll ist, an den gegenwärtigen, bewährten Regelungen der Corona-Verordnung WfbM festzuhalten‘“, so der Sozialministerium-Pressesprecher, Pascal Murrmann, in der Pforzheimer Zeitung vom 26.01.21. „‚Für Menschen mit Behinderungen ist die Aufrechterhaltung gewohnter Routinen im Tages-, Wochen-, und Monatsverlauf wichtig für ihre psychische Stabilität.‘ Werkstätten für Behinderte seien ‚ein Ort der Begegnung und ein Ort, den Tag mit einer sinnvollen Beschäftigung zu verbringen.‘“

Um trotz der Öffnung die Ansteckungsgefahr so gering wie nur möglich zu halten, haben die Stuttgarter Werkstätten ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, das ständig geprüft und angepasst wird. Mitarbeitende sind in Schnelltests eingewiesen und können bei Bedarf testen.

Und auch hier hoffen wir, dass viele die seit Anfang März bestehende Möglichkeit, sich impfen zu lassen, in Anspruch nehmen werden.

Bleiben wir gesund!