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Mit Geduld, Unterstützung und Mut – Max’ Weg in eine feste Anstellung

Buntes Treiben in der Kita

“Ich weiß, was ich will und was ich kann”

Max*

Eine Arbeit, für die man qualifiziert ist, die Freude macht und erfüllt – so stellen sich viele Menschen ihr Berufsleben vor. Für Menschen mit Unterstützungsbedarf ist dieser Wunsch jedoch oft schwer zu verwirklichen. Häufig sind es nicht nur individuelle Einschränkungen, sondern vor allem Vorurteile und strukturelle Hürden, die den Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt (auch erster Arbeitsmarkt genannt) erschweren. Eine sozialversicherungspflichtige Anstellung bleibt für viele ein Wunschtraum.

Doch es gibt sie – wenn auch leider noch viel zu selten – diese Ausnahmen.

Ein Ziel vor Augen – trotz vieler Hürden

Max* hat es geschafft: Er konnte seinen Wunschberuf erlernen und hat seit diesem Jahr eine feste Anstellung als Kita-Assistent. Der Weg dorthin war lang und fordernd und verlangte ihm viel Beharrlichkeit und Ausdauer ab. Mit der gezielten Unterstützung von Jobcoachs Tobias Spreng ist es ihm schließlich gelungen, seinen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden.

Max* ist 24 Jahre alt und lebt mit frühkindlichem Autismus. Sein Grad der Behinderung beträgt 60 Prozent. Vieles bewältigt er selbstständig, in manchen Bereichen benötigt er Unterstützung. Nach dem Schulabschluss – er wechselte im Laufe seiner Schulzeit mehrfach die Schulform – stieg er 2021 in das Quereinsteigerprogramm der Lebenshilfe Stuttgart ein.

Orientierung finden mit dem Quereinsteigerprogramm

Das Quereinsteigerprogramm der Lebenshilfe Stuttgart unterstützt junge Erwachsene mit Unterstützungsbedarf dabei, einen passenden Arbeitsplatz zu finden. Mithilfe von Analysetools werden Fähigkeiten, Interessen und Potenziale erfasst, um herauszufinden, wo individuelle Stärken liegen und wie diese weiterentwickelt werden können. Praktika in unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Betrieben helfen dabei, sich beruflich zu orientieren und geeignete Tätigkeiten sowie passende Arbeitsumfelder kennenzulernen.

Auch Max* sammelte zunächst Erfahrungen in verschiedenen Bereichen – unter anderem in der Bäckerei und in der Gärtnerei. Doch wirklich zufrieden war er dort nicht. “Ich weiß, was ich will und was ich kann”, davon ist er überzeugt. Immer wieder äußerte er den Wunsch, mit Kindern zu arbeiten.

Der richtige Ort zur richtigen Zeit

Dabei hatte Max* eine sehr konkrete Vorstellung: Er wollte in genau der Kita arbeiten, in der er selbst als Kind betreut worden war – und in keiner anderen. Gemeinsam mit seinem Jobcoach Tobias Spreng nahm er Kontakt zur Kita auf. Mit Erfolg: Im Sommer 2024 konnte Max dort ein Praktikum beginnen.

Schon bald zeigte sich, dass er ein besonderes Gespür für den Umgang mit Kindern hat. Aus dem Praktikum entwickelte sich schrittweise ein betriebsintegrierter Arbeitsplatz (BiAP). Während dieses gesamten Prozesses wurde Max eng und individuell von Jobcoach Tobias Spreng begleitet.

Jobcoaching als Beziehungsarbeit

Ein zentraler Bestandteil des Jobcoachings ist der Aufbau von Vertrauen – sowohl zum Klienten als auch zu den Kolleginnen und Kollegen sowie den Vorgesetzten am Arbeitsplatz. Art und Umfang der Unterstützung orientieren sich stets an den konkreten Bedürfnissen.

Im Fall von Max* lag ein Schwerpunkt auf der Kommunikation im Team. Beide Seiten mussten zunächst lernen, das jeweilige Kommunikationsverhalten zu verstehen und aufeinander einzugehen. Mit zunehmender Zeit wuchs das gegenseitige Vertrauen – und damit auch die Sicherheit im Arbeitsalltag.

Ausbildung mit Perspektive

Die Kolleginnen und Kollegen in der Kita waren besonders beeindruckt von Max’ außerordentlicher Geduld im Umgang mit den Kindern. Sie befürworteten deshalb eine Ausbildung zum Kita-Assistenten. „Evalino“ bietet in Stuttgart eine speziell auf Menschen mit Unterstützungsbedarf ausgerichtete Ausbildung( ein sog. Qualifizierungsbaustein), an die ein halbes Jahr dauert.

Auch während dieser Zeit stand sein Jobcoach Max* unterstützend zur Seite. Er half ihm dabei, die theoretischen Inhalte zu erfassen und kontinuierlich zu lernen. In der Praxis unterstützte er ihn gemeinsam mit dem Kita-Team darin, Situationen besser einzuschätzen – etwa wann und wie Kindern Grenzen aufgezeigt werden müssen. Eine Herausforderung, die Max zunehmend sicher meisterte.

Als Abschlussarbeit entwickelte er eigenständig ein Beschäftigungsangebot mit Lego-Bausteinen zu den Themen „Superhelden“ und „Autos“. Die Ausbildung schloss er damit erfolgreich ab.

Mittlerweile ist Max* aus „seiner“ Kita nicht mehr wegzudenken. Mit großer Geduld und viel Einfühlungsvermögen beschäftigt er sich mit den Kindern, übernimmt hauswirtschaftliche Aufgaben und entlastet so die pädagogischen Fachkräfte. “Max hält uns im Alltag den Rücken frei”, berichten seine Kolleginnen aus der Kita.

Angekommen im Team

Sein Engagement wurde belohnt: Seit Januar 2026 ist Max* als Kita-Assistent sozialversicherungspflichtig angestellt. In den Monaten zuvor fand ein schrittweiser Ablöseprozess statt, mit dem die Begleitung durch Jobcoach Tobias Spreng erfolgreich abgeschlossen wurde.

Eine Erfolgsgeschichte – mit Seltenheitswert

Die Eingliederung von Max* in den allgemeinen Arbeitsmarkt ist eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht – und zugleich zeigt, wie selten solche Wege noch sind. Das Fazit von Jobcoach Tobais Spreng: „Inklusion ist nur dann erfolgreich, wenn alle Akteure zusammenarbeiten und der Mensch mit seinen persönlichen Ressourcen im Fokus steht.“

*Name geändert

Info: Betriebsintegrierte Arbeitsplätze (BiAP)

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze sind Arbeitsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Diese Personen sind in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) beschäftigt. Mit fachlicher Unterstützung eines Jobcoachs werden sie auf einem Arbeitsplatz außerhalb der Werkstätten begleitet.

Das Jobcoaching ist sehr umfassend:
Es beginnt mit der Analyse der Fertigkeiten und Kompetenzen sowie den Vorlieben der Person. Zunächst wird ein Praktikumsplatz vermittelt, notwendige Qualifikationen durchgeführt und eine intensive Begleitung vor Ort durchgeführt. Praktische Fragen müssen geklärt werden: Wie ist der Arbeitsweg, wo gibt es Mittagessen, wie melde ich mich krank und viele mehr.
Der Jobcoach ist Vertrauensperson für beide Seiten: Dem Klienten/der Klientin und dem Team. Er hört allen Beteiligten zu, findet heraus, „wo der Schuh drückt“, vermittelt, begleitet und schult. Diese intensive Begleitung wird nach und nach reduziert, so dass auf längere Sicht, eine lose Assistenz (einmal pro Woche) genügen kann.

Die Arbeit auf BiAP-Plätze kann in Vollzeit oder auch nur einige Tage der Woche stattfinden., abgestimmt auf die Bedürfnisse beider Seiten.
Aktuell begleiten die Jobcoaches der Lebenshilfe Stuttgart zwölf Personen auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz. Sie arbeiten unter anderem in Hotels, im Catering, in Lager und Logistik sowie in der Verwaltung mittelständischer Unternehmen. Weitere Teilnehmende werden derzeit auf einen BiAP vorbereitet.
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    Kosten und Finanzierung

    Unsere Angebote sind anerkannte Unterstützungsangebote im Alltag, das heißt, dass Sie unsere Angebote zum Teil aus Mitteln der Pflegeversicherung finanzieren können. Voraussetzung ist dabei ein Pflegegrad. Die Leistungen müssen Sie bei der Pflegekasse beantragen.

    Wenn Sie die Angebote über die Pflegekasse bezahlen möchten, kreuzen Sie das bitte im Anmeldeformular an, damit wir die Rechnung entsprechend erstellen können.

    Gesamtbetrag aus Verhinderungs­pflege (§ 39 SGB XI) und Kurzzeit­pflege (§ 42 a SGB XI) ab Pflegegrad 2

    Laufzeit: Ein Kalenderjahr
    (Januar bis Dezember)

    Betrag: 3.539 € im Kalenderjahr

    Antrag: Muss von Ihnen selbst jedes Jahr neu bei der Pflegekasse beantragt werden.

    Entlastungsbetrag (§ 45 b SGB XI) ab Pflegegrad 1

    Laufzeit: 12 Monate
    (Januar bis Dezember)
    (Der Restbetrag kann bis Ende Juni des Folgejahres ausgegeben werden)

    Betrag: 131 € pro Monat (Anspruch für 12 Monate: 1.572 €)

    Antrag: Automatischer Anspruch, sobald Pflegegrad vorliegt.

    Bei Nutzung aller Möglichkeiten haben Sie pro Jahr folgenden Betrag  zur Verfügung:

    (

      3.539 € 

    +

      1.572 € 

    ) = 5.111 €