
Zum ersten Mal das Meer sehen. Zum ersten Mal in ein Flugzeug steigen. Für vier Wohnkunden der Wohngemeinschaften Störzbachstraße wurde auf Rhodos ein lang gehegter Traum Wirklichkeit. Während Deutschland unter der Sommerhitze ächzte, genossen sie eine Woche Urlaub bei angenehmen Temperaturen am Mittelmeer.
Zwei der Reisenden sahen zum ersten Mal in ihrem Leben das Meer und zwei bestiegen zum ersten Mal ein Flugzeug. Nur die jüngste Reisende hatte bereits Urlaubserfahrungen mit ihrer Familie gesammelt. Was für viele Menschen selbstverständlich klingt, war für diese Gruppe etwas ganz Besonderes.
Allein zu verreisen ist für viele Menschen mit Unterstützungsbedarf kaum möglich. Schon die Vorbereitung einer Reise kann zur Herausforderung werden: Das passende Angebot finden, die Koffer packen, sich am Flughafen zurechtfinden oder sich an einem unbekannten Urlaubsort orientieren. Oft kommt ein zusätzlicher Bedarf an persönlicher Assistenz hinzu.
Die Reise war deshalb nur möglich, weil Fachkräfte die Gruppe begleiteten. So konnten sich alle ganz auf das konzentrieren, worum es im Urlaub eigentlich geht: Erholung, neue Eindrücke und schöne gemeinsame Erlebnisse.
Das All-inclusive-Angebot des Hotels direkt am Strand erwies sich dabei als ideal. Die Reisenden konnten selbst entscheiden, worauf sie Lust hatten: verschiedene Speisen ausprobieren, die Poolanlage nutzen oder die zahlreichen Unterhaltungsangebote besuchen. Shows, Musicals und Live-Musik sorgten für Abwechslung und boten für jeden Geschmack etwas.
Am meisten genossen jedoch alle den Strand und das entspannte Urlaubsleben. Die festen Abläufe und Anforderungen des Alltags rückten für eine Woche in den Hintergrund.
„Wir haben unsere Wohnkunden hier ganz anders als im Alltag erlebt. Die Person, die zu Hause immer sehr umtriebig und unruhig ist, war während des gesamten Aufenthalts tiefenentspannt. Sie saß am liebsten im Liegestuhl am Strand und genoss es total, einfach einmal nichts tun zu müssen.“
Alexandra Zarzani, Fachkraft
Für klassische Besichtigungen blieb nur begrenzt Raum. Zwar gefiel der Ausflug in die Altstadt von Rhodos allen sehr gut, gleichzeitig war er für die Gruppe auch anstrengend. Auf weitere, längere Exkursionen wurde deshalb verzichtet.
Die Reisenden hätten gerne eine Bootsfahrt unternommen. Die angebotenen Schiffe waren jedoch nicht barrierefrei zugänglich und deshalb für die Gruppe nicht geeignet. Diese Situation macht deutlich, dass es auch im Tourismus noch immer Barrieren gibt, die Menschen von bestimmten Erlebnissen ausschließen.
Trotzdem ziehen alle ein positives Fazit: Die Woche auf Rhodos war ein voller Erfolg und wird ihnen noch lange in Erinnerung bleiben. Auch Wochen danach sprechen sie noch davon:
„Es war schön im Urlaub! Wann gehen wir wieder in Urlaub?“ möchte Corinna immer wieder wissen. Uwe hat das Fliegen sehr beeindruckt und erzählt oft „Das Düsenflugzeug hat eine Kurve rechts, eine links gemacht.“ Laura wird nicht müde zu berichten: „Der Urlaub war soooo toll! Ich hatte so einen schönen Urlaub! Am meisten haben mir die Altstadt, das Essen gehen und Cocktails trinken gefallen.“



Reisen bedeutet weit mehr als Erholung. Neue Eindrücke, ungewohnte Erlebnisse und der Wechsel der Umgebung können sich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken. Viele Studien haben dies mittlerweile nachgewiesen. Die Herzgesundheit verbessert sich, Stoffwechselstörungen werden gemindert, die Stresshormone runtergefahren, das Immunsystem gestärkt – Entspannung und Wohlbefinden setzen ein.
Gerade Menschen mit Unterstützungsbedarf profitieren von solchen Auszeiten. Sie erleben neue Situationen, gewinnen Selbstvertrauen und erweitern ihren persönlichen Erfahrungsschatz. Dafür braucht es nicht immer große Abenteuer. Schon das Kennenlernen eines neuen Ortes, anderes Essen mit neuem Geschmack oder ein anderer Tagesablauf können bereichernd sein. Vor allem aber bedeutet Reisen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben!
Was viele Menschen spontan planen können, bleibt Menschen mit Unterstützungsbedarf häufig verwehrt. Nicht mangelnde Reiselust ist das Problem, sondern die notwendige Organisation und Begleitung. Angebote wie die Reisen der Lebenshilfe Stuttgart ermöglichen genau diese Teilhabe.
Bereits seit vielen Jahren gehören Urlaubsreisen zum Angebot der Lebenshilfe Stuttgart. Früher fanden die sogenannten Freizeiten oft in sehr großen Gruppen statt. Im Laufe der Zeit wurden die Reisegruppen immer kleiner, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden konnte immer besser eingegangen werden. Heute gehören auch Reisen für Paare und Einzelreisende zum Programm.
Birgit Sauer plant und organisiert seit mittlerweile 17 Jahren über das interne Reisebüro „Lehi-tours“ Reisen für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Viele Ziele liegen in Deutschland, einige Angebote führen ins europäische Ausland. Zu den beliebtesten Reisezielen gehört beispielsweise Sylt, für das in manchen Jahren sogar mehrere Termine ausgebucht sind.
Das Angebot ist so vielfältig wie die Menschen, die es nutzen: Wochenendreisen, Städtereisen, Wellnessaufenthalte, Urlaube auf dem Land oder klassische Strandferien. Auch individuelle Vorstellungen werden so gut es geht erfüllt. Dieses Jahr zum Beispiel:
Ob Strandurlaub auf Rhodos, ein Wochenende in einer deutschen Stadt oder die lang ersehnte Reise nach Paris: Für die Reisenden entstehen Erinnerungen, die weit über die eigentliche Urlaubszeit hinauswirken.
„Es ist mir eine besondere Freude, wenn ich persönliche Wünsche erfüllen kann.“
Birgit Sauer, Leiterin von Lehi-tours
Damit solche Reisen nicht an organisatorischen oder praktischen Hürden scheitern, kümmert sich Lehi-tours um Anreise, Unterkunft und die notwendige Begleitung. Die Assistenz übernehmen Fachkräfte und ehrenamtlich Engagierte. Finanziert werden die Reisen durch Eigenmittel der Reisenden sowie Leistungen der Pflegekassen. Eine Investition, die Lebensqualität, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe fördert!
Damit auch künftig möglichst viele Menschen ihre Reiseträume verwirklichen können, sucht die Lebenshilfe Stuttgart regelmäßig ehrenamtliche Reisebegleitungen.
Interessierte können sich unter Ehrenamt weiter informieren und Kontakt aufnehmen.
Es gibt viele Menschen mit Unterstützungsbedarf, die sich eine Reise nicht leisten können – Sie können helfen diesen ein Urlaubserlebnis zu ermöglichen: Spenden Sie direkt für diesen Zweck:
Spende an die Lebenshilfe Stuttgart
INFO-BOX: Was ist Lehi-tours? Lehi-tours ist das Reisebüo der Lebenshilfe Stuttgart. Hier werden jedes Jahr rund 20 Reisen für Menschen mit Unterstützungsbedarf organisiert, entweder als Gruppenreise für Kleingruppen mit 6 Personen oder Individualreisen für Paare und Einzelpersonen. Drei hauptamtliche Reiseleitungen werden von ehrenamtlichen Kräften unterstützt. Die Finanzierung erfolgt über Eigenmittel der Reisenden und Leistungen der Pflegekasse. |
Unsere Angebote sind anerkannte Unterstützungsangebote im Alltag, das heißt, dass Sie unsere Angebote zum Teil aus Mitteln der Pflegeversicherung finanzieren können. Voraussetzung ist dabei ein Pflegegrad. Die Leistungen müssen Sie bei der Pflegekasse beantragen.
Wenn Sie die Angebote über die Pflegekasse bezahlen möchten, kreuzen Sie das bitte im Anmeldeformular an, damit wir die Rechnung entsprechend erstellen können.
Gesamtbetrag aus Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) und Kurzzeitpflege (§ 42 a SGB XI) ab Pflegegrad 2
Laufzeit: Ein Kalenderjahr
(Januar bis Dezember)
Betrag: 3.539 € im Kalenderjahr
Antrag: Muss von Ihnen selbst jedes Jahr neu bei der Pflegekasse beantragt werden.
Entlastungsbetrag (§ 45 b SGB XI) ab Pflegegrad 1
Laufzeit: 12 Monate
(Januar bis Dezember)
(Der Restbetrag kann bis Ende Juni des Folgejahres ausgegeben werden)
Betrag: 131 € pro Monat (Anspruch für 12 Monate: 1.572 €)
Antrag: Automatischer Anspruch, sobald Pflegegrad vorliegt.
Bei Nutzung aller Möglichkeiten haben Sie pro Jahr folgenden Betrag zur Verfügung:
(
3.539 €
+
1.572 €
) = 5.111 €